Montag, 14. April 2014

Die Abspanner #7 - Captain America 2 & Snowpiercer



Nach einer sehr langen Pause hat sich der charmante Jan Görner zurück in unser Team verirrt. Wir sprechen zusammen mit Jenny "Steffi" Jecke (u.a. Moviepilot, The Gaffer) über Chris Evans und seine zwei aktuell im Kino laufenden Blockbuster, Captain America 2: The Return of the First Avenger (Jesus!) und Joon-ho Bongs Snowpiercer. Doch davor lästern wir noch ein wenig über Spider-Man, Hollywoods Superheldenwahn und Young-Adult-Verfilmungen.

Für unser grandioses, musikalisches Intro zeichnet sich übrigens die Band Rollergirls verantwortlich! Danke Jungs!

Inhalt:
0:00:00 - Alle Einsteigen bitte!
0:03:34 - Christopher Robert Evans
0:10:24 - Kurz angespannt: The Amazing Spider-Man 2 ist gar nicht mal so amazing
0:15:30 - Divergent - Die Bestimmung des Young-Adult-Films
0:21:36 - Eli Roths The Green Inferno
0:25:12 - Captain America 2: Hail Marvel!
0:57:00 - Snowpiercer: Blockbuster, so schön wie beim ersten mal...



Bei iTunes oder als RSS-Feed abonnieren!

Mehr zu Filmen, Serien & Co. gibt es auf Cinema Forever zu lesen!

Donnerstag, 20. Februar 2014

Die Abspanner #6 - Die 64. Berlinale


In Folge 6 sprechen die Abspanner SEHR ausführlich über die gerade zu Ende gegangene Berlinale. Jan ist leider nicht dabei, weil er sich seit Januar auf einem Selbstfindungstrip um die Welt befindet, weil er einmal zu oft "Eat Pray Love" mit Julia Roberts geguckt hat. Trotzdem sind wir zu dritt, denn Conrad hat sich einfach kurzerhand zwei Gäste eingeladen. Zum einen seine "House-of-Cast"-Kollegin Sonja Rankl (Moviepilot) und den umtriebigen Vielschreiber Sebastian Moitzheim (Das Manifest, Kino-Zeit), der bereits in der ersten Abspanner-Folge zu Gast war. Es wird also episch. Los geht's!

Für unser grandioses, musikalisches Intro zeichnet sich übrigens die Band Rollergirls verantwortlich! Danke Jungs!

Inhalt:
0:00:00 - Tief durchatmen, da kommt ein Intro!
0:00:23 - Begrüßung ohne Jingle?
0:04:58 - Die Berlinale und ihr schwieriges Programm
0:17:03 - Beste Kamera für "Blind Massage" + "Nuoc", "Thou Wast Mild and Lovely", "The Better Angels"
0:27:57 - Bestes Drehbuch für "Kreuzweg" oder auch "Quo Vadis Berliner Schule?"
0:33:17 - Bester Schauspieler für Liao Fan ("Black Coal Thin Ice") und "Die geliebten Schwestern" schauen zu.
0:43:23 - Beste Schauspielerin für Haru Kuroki ("The Little House") aber Jennifer Connelly und Rinku Kikuchi hätten es auch verdient gehabt.
0:50:50 - Beste Regie für "Boyhood" / Was ist da falsch gelaufen?
1:11:30 - Alfred-Bauer-Preis für "Life of Riley" / Nick Cave und Michel Gondry sind halt noch nicht alt genug.
1:24:37 - Großer Preis der Jury für "The Grand Budapest Hotel"
1:31:52 - Der Goldene Bär für "Black Coal Thin Ice" / Wir hätten ihn aber auch "Kumiko, The Treasure Hunter" verliehen.
1:47:43 - Tipps für Weirdos: "God Help the Girl" & "What We Do in the Shadows"
1:54:48 - "Snowpiercer" im Forum und auch bald im Kino
2:06:00 - Die Akte Trier: "Nymphomaniac 1" unbeschnitten
2:20:24 - Was macht "A Long Was Down" auf der Berlinale?
2:22:50 - "The Turning" - 3 Stunden Australien im Friedrichstadtpalast
2:28:40 - Zeit für die Versöhnung...



Bei iTunes oder als RSS-Feed abonnieren!

Mehr zu Filmen, Serien & Co. gibt es auf Cinema Forever zu lesen!

Freitag, 10. Januar 2014

Die Abspanner #5 - Jahresrückblick 2013


Folge 5 ist da und es ist nicht nur die erste im neuen Jahr 2014, sondern auch eine ganz besondere Folge. Wir hängen noch etwas am alten Jahr und sprechen deshalb mit Björn Helbig (u.a. Kontroversum, Kino-Zeit) ausführlich über 2013, die Tops & Flops sowie unsere Hoffnungen und Ängste zum kommenden Kinojahr. Als Extra-Schmankerl haben wir uns die Mühe gemacht den deutschen Trailer zu The Amazing Spider-Man 2 für euch nachzuspielen. Viel Spaß!

Für unser grandioses, musikalisches Intro zeichnet sich übrigens die Band Rollergirls verantwortlich! Danke Jungs!

Inhalt:
0:00:00 - Grammatikschwächen & Intro
0:00:28 - Hallo, wie steht's mit Kino?
0:10:14 - Björns Top 10!
0:24:23 - Jans Top -This one goes to- 11!
0:46:30 - Conrads Top 10!
1:16:48 - Enttäuschungen mit Filmriss, dafür auch mit Passion
1:31:49 - Sci-Fi 2013 & andere Trends
1:47:47 - Ausblick 2014: Stars, Sex und Superhelden
2:06:48 - Selfmade-Trailer: The Amazing Spider-Man 2 (inkl. YT-Spiegel)



Bei iTunes oder als RSS-Feed abonnieren!

Mehr zu Filmen, Serien & Co. gibt es auf Cinema Forever zu lesen!

Dienstag, 31. Dezember 2013

Die Abspanner #4 - Der Hobbit 2: Smaugs Einöde & Blau ist eine warme Farbe


In Folge 4 unseres Filmpodcasts sprechen Jan und Conrad zusammen mit Matthias Hopf vom Filmfeuilleton über den zweiten Teil der Hobbit-Saga Smaugs Einöde sowie über den Gewinner der diesjährigen Goldenen Palme Blau ist eine warme Farbe von Abdellatif Kechiche.

Für unser grandioses, musikalisches Intro zeichnet sich übrigens die Band Rollergirls verantwortlich! Danke Jungs!

Inhalt:
0:00:00 - Moderationsschwächen & Intro
0:00:19 - Präludium mit Gastvorstellung
0:19:32 - Der Hobbit 2: Peter Jackson EinÖde
1:31:33 - Blau ist eine warme Farbe: Kunst oder Porno?
2:32:46 - Ausblick auf Folge 5



Bei iTunes oder als RSS-Feed abonnieren!

Mehr zu Filmen, Serien & Co. gibt es auf Cinema Forever zu lesen!

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Die Abspanner #3 - Catching Fire, Inside Llewyn Davis & Barton Fink


In Folge 3 unseres Filmpodcasts sprechen Jan und Conrad zusammen mit Tobias Mayer von Filmnotizen über den zweiten Teil der Tribute-von-Panem-Reihe Catching Fire sowie über das neue Werk der Coen Brüder Inside Llewyn Davis. Die passende Hausaufgabe war der Coen-Klassiker Barton Fink.

Die Folge ist zwar diesmal etwas länger geworden, allerdings war es auch nicht so einfach bei diesen Filmen auf einen Nenner zu kommen. Freut euch auf hitzige Diskussionen, ganz besonders Barton Fink war ein hartes, aber dennoch leckeres Brot für uns. Viel Spaß!

Für unser grandioses, musikalisches Intro zeichnet sich übrigens die Band Rollergirls verantwortlich! Danke Jungs!

Inhalt:
0:00:00 - Intro
0:00:14 - Präludium
0:04:02 - Die Tribute von Panem 2: Warum "Catching Fire" so viel besser ist!
0:47:04 - Inside Joel & Ethan Coen: Ein weiteres Meisterwerk?
1:35:58 - Die Hausaufgabe: "Barton Fink" oder die (Irr-)wege filmischer Rezeption



Bei iTunes oder als RSS-Feed abonnieren!

Mehr zu Filmen, Serien & Co. gibt es auf Cinema Forever zu lesen!

Dienstag, 19. November 2013

Die Abspanner #2 - Captain Phillips, Computer Chess & Dressed To Kill


In Folge 2 unseres Filmpodcasts sprechen Jan und Conrad zusammen mit Florian Feick (CinemaForever, Das Manifest) über den neuen Paul-Greengrass-Film "Captain Phillips" mit Tom Hanks in der Hauptrolle. Außerdem widmen sie sich dem aktuellen Film von Mumblecore-Ikone Andrew Bujalski "Computer Chess" und als Hausaufgabe steht dieses mal Brian De Palmas Erotik-Thriller "Dressed to Kill" auf dem Programm.

Viel Vergnügen!

Inhalt:
0:00:00 - Einleitung
0:03:36 - "Captain Phillips" und das Genre des Doku-Dramas
0:36:11 - "Computer Chess" oder die Frage nach künstlicher Intelligenz im Indie-Kino
1:06:10 - Die Hausaufgabe: "Dressed To Kill"



Mehr zu Filmen, Serien & Co. gibt es auf CinemaForever zu lesen!

Freitag, 15. November 2013

TORE TANZT


"Wenn ich nicht glauben könnte, dann hätte ich gar nichts."

Ab dem 20. November wird die ehrwürdige MOMA in New York der "Neuen Berliner Schule" ein Programm widmen. Die analytisch-ästhetisierten Werke dieser "Schule" sind auf Festivals gern gesehene Gäste, schaffen es nur nicht diese Anerkennung auch im eigenen Land zu generieren. Woran das liegt und ob die Filme daran schuld sind, soll an dieser Stelle nicht diskutiert werden, wohl aber der internationale Eindruck das "deutsche" (Arthouse-)Kino sei nur durch die Brille dieser sogenannten "Schule" interessant. Die Antipoden zu Arslan, Schanelec und Co. finden sich nämlich nicht nur im Zentrum gut-bürgerlicher Spießer-Komödien eines Til Schweigers und auch nicht im US-Replikkino der Eichinger-Dynastie [...]

Wertung: 8/10

Mittwoch, 13. November 2013

Kritiken-Übersicht - Juni bis Oktober 2013

"Finsterworld" (DE 2013) Wertung: 6/10

Schon der Titel impliziert einen Bruch, der immer wieder vielfach codiert im Film auftaucht. Schriftsteller Christian Kracht und Ehefrau/Filmemacherin Frauke Finsterwalder... Weiterlesen




"Liberace" (USA 2013) Wertung: 7,5/10

Gestern Nacht wurden die Emmys, Amerikas bedeutendster Fernsehpreis, verliehen und in den Kategorien der Mini-Serien und Fernsehfilme gab es einen klaren Gewinner... Weiterlesen





"Wir sind die Millers" (USA 2013) Wertung: 4,5/10

Die große Fernsehrevolution der letzten zehn Jahre hat sich nicht nur im Drama-Bereich vollzogen. Obwohl vornehmlich Serien wie „The Wire“, „Game of Thrones“ und „Mad Men“ das Bild des Quality-TVs prägen, hat sich auch im... Weiterlesen




"The World's End" (GB 2013) Wertung: 7/10

Gary King (Simon Pegg) ist vierzig, aber nie erwachsen geworden. Vor zwanzig Jahren versuchten er und seine vier Freunde die Goldene Meile zu vollenden... Weiterlesen






"Frances Ha" (USA 2013) Wertung: 6,5/10

Jeder hat einen Traum davon, wie sein Leben perfekt wäre. Manche Vorstellung ist realisierbarer als andere... Weiterlesen




"Pacific Rim" (USA 2013) Wertung: 7/10

Was haben mein achtjähriges Ich beim „Jenga“-Spielen und das „Intergalactic“-Musikvideo der Beastie Boys... Weiterlesen




"World War Z" (USA, UK 2013) Wertung: 3,5/10

Die Zombiewelle ist einfach nicht totzukriegen. „The Walking Dead“ ist zurzeit eine der erfolgreichsten... Weiterlesen




"Tango Libre" (BE, FR, LU 2012) Wertung: 6/10

Tanzen ist ein Grundbedürfnis; Bewegung sowieso, aber wie das Träumen ist das Tanzen eine Tätigkeit, die keinen außerordentlichen Sinn verfolgt oder gar überlebenswichtig ist. Sie existiert um ihrer selbst willen... Weiterlesen





"Before Midnight" (USA 2013) Wertung: 4/10

Richard Linklater ist einer der wenigen langjährig erfolgreichen, amerikanischen Indie-Regisseure, denen es gelungen ist stets konsequent dem Feuilleton-Radar zu entgehen... Weiterlesen

Dienstag, 12. November 2013

Die Abspanner #1 - You're Next, Europa Report & Full Metal Jacket



Die Abspanner, Jan Görner und Conrad Mildner, schauen eben gerne zu. Also sie bleiben sitzen bis das Licht angeht und der letzte Credit von der Leinwand verschwunden ist. Und selbst dann ist der Film nicht vorbei, denn es wird fleißig diskutiert, seien es aktuelle Kinoproduktionen, DVD-Releases oder Streifen älteren Jahrgangs.

Jede Folge wird ein Gast eingeladen und zur Premiere diskutieren sie mit niemand geringerem als dem Blogger Sebastian Moitzheim über den Horrorfilm "You're Next", den Sci-Fi-Film "Europa Report" und den Kubrick-Klassiker "Full Metal Jacket". Los geht's!


Inhalt:

0:00:00 - Willkommen, Bienvenue, Welcome!

0:10:23 - "You're Next" & Mumble(c/g)ore

0:52:48 - "Europa Report"

1:29:26 - Die Zukunft des Found-Footage-Films

1:36:27 - Die Hausaufgabe: "Full Metal Jacket"

2:10:41 - Stanley Kubrick auf Bluray & "Room 237"




Mehr zu Filmen, Serien & Co. gibt es auf CinemaForever zu lesen!

Mittwoch, 15. Mai 2013

TRANCE


"The choice is yours. Do you want to remember or do you want to forget?"

Der Drehbuchautor, Filmregisseur und Filmkritiker Paul Schrader teilt die Stilrichtung des Film Noirs in drei Phasen ein. Die „wartime period“ (1941-46), in der überwiegend einsame Privatdetektive ihr Dasein fristen. Danach folgte die „post-war realistic period“ (1945-49), die den Charakter des Großstadtmolochs in den Mittelpunkt rückte und sich den alltäglichen Verbrechen auf den Straßen widmete. Die letzte und zugleich spannendste Phase war dennoch die „period of psychotic action and suicidal impulse“ (1949-53), in der sich allmählich die Figuren auflösen und meistens sogar Mörder und Psychopathen die Hauptrollen sind. Seit dem Ende des klassischen Film Noirs haben sich seine Motive und Reflexionen hartnäckig im Kino gehalten. Sie haben Filme wie „Blade Runner“, „Chinatown“ und „L.A. Confidential“ hervorgebracht und der Begriff des Neo-Noirs gehört heute zum guten Filmvokabular. Ist der Film-Noir also tot? Definitiv, denn was wir heute sehen ist allenfalls ein postmoderner Widerhall und dennoch kann ein Neo-Noir mehr sein als bloße Pose oder Hommage, nämlich wenn er sich seiner kulturellen Geschichte bewusst wird. Danny Boyle, dessen letzte Filme den süßlichen Geruch der Award-Seasons leider nicht abstreifen konnten, hat nun solch einen Film gemacht. „Trance“ ist ein „Meta-Noir of psychotic action and suicidal impulse“. [...]

Wertung: 8/10

Weiterlesen

UPSTREAM COLOR


"I have to apologize. I was born with a disfigurement where my head is made of the same material as the sun."

An diesem Wochenende war ich mit unserem Co-Autor Florian im Kino um mir den angeblich schlechtesten Film aller Zeiten anzusehen. „The Room“ von Tommy Wiseau aus dem Jahre 2003 genießt spätestens seit dem halbstündigen Video-Verriss des NostalgiaCritic Kultstatus, inklusive mitternächtlicher Screenings und Rituale wie bei „The Rocky Horror Picture Show“. Mit Fug und Recht kann ich mich nun „glücklich“ schätzen „The Room“ gesehen zu haben, der wahrlich so schlecht ist, wie alle sagen, aber dadurch auch besonders viel Spaß gemacht hat. Nur warum beginne ich meine Kritik zu „Upstream Color“ mit einem Absatz über Tommy Wiseaus Filmdebakel? Zwei Gründe: Erstens, muss ich diesen herrlichen Schund irgendwie schriftlich verarbeiten, wobei mir eine ganze Kritik dafür zu schade ist, und zweitens, gibt es äußerst starke produktionstechnische Parallelen zwischen „The Room“ und Shane Carruths neuem und erst zweitem Film sowie seinem brillanten Debüt „Primer“. [...]

Wertung: 8,5/10

Weiterlesen

TO THE WONDER


"You gathered me up from earth. You've brought me back to life."

Urplötzlich befindet sich Olga Kurylenkos Figur Marina wieder an der französischen Küste am Mont-Saint-Michel. Sie ist allein, dreht sich um und ein warmes Licht strahlt in ihr Gesicht. Es ist die letzte Szene in Terrence Malicks neuem Film „To The Wonder“, wenn man hier überhaupt noch von „Szenen“ sprechen kann. Eine Szene definiert sich bekanntlich durch die Einheit von Raum, Zeit und Personen. In Malicks Film gibt es solch eine Einheit nicht, jedenfalls nicht im Kontext mehrerer Kameraeinstellungen und schon gar nicht im bewussten Verlauf einer Geschichte. Chronologie existiert höchstens im eigenen Kinosessel. Auf der Leinwand sind dagegen Zeitreisen angesagt und so verliert Marinas Schlussbild jegliche narrative Bedeutung, da es weder Anfang noch Ende gibt. [...]

Wertung: 7/10

Weiterlesen

STOKER


"Just as a flower does not choose its color, we are not responsible for what we have come to be. Only once you realize this do you become free."

Eines ist „Stoker“ auf jeden Fall, nämlich einer der schmerzhaftesten Kassen-Flops des Jahres. Bei einem für Hollywood-Verhältnisse mickrigen Budget von 12 Mio. Dollar hat der Film gerade einmal knapp 5 Mio. eingespielt. Die Quelle: Wikipedia, und laut IMDB sogar noch weniger. Können Sie sich noch an die Zeiten erinnern als Superstar Nicole Kidman noch nicht mal für 12 Mio. vor die Kamera getreten ist? Dieses Zeitalter scheint vorbei zu sein bzw. mag ihre Wertschätzung gegenüber Park Chan-wook groß genug sein, um „Stoker“ mit ihrem Auftritt auch mit weitaus weniger Gage zu adeln. Eines ist allerdings ganz sicher: Eine solch geringe Aufmerksamkeit hat dieser wundervolle Film nun wirklich nicht verdient, deshalb kommt jetzt schon, untypischerweise am Beginn der eigentlichen Kritik, der Aufruf am 9. Mai in die Lichtspielhäuser zu strömen. [...]

Wertung: 7,5/10

Weiterlesen

Kritiken-Übersicht - Januar bis April 2013

"Zero Dark Thirty" (USA 2012) Wertung: 6/10

Wo waren sie am Tag als Osama Bin Laden starb? Eine Frage die ähnlich bedeutend erscheint, wie das oftmalige Rekapitulieren des 11. Septembers 2001... Weiterlesen
"Bullet To The Head" (USA 2012) Wertung: 5/10

Die Rückkehr der Action-Stars aus einer längst vergessenen Zeit scheint noch nicht wirklich ihren Höhepunkt erreicht zu haben und dennoch... Weiterlesen
 "Celeste & Jesse" (USA 2012) Wertung: 5/10

Es fällt schwer bei der Menge an großartigen Comedy-Serien aus den USA noch den Überblick zu behalten und damit meine ich nicht glattgebügeltes Massenopium wie... Weiterlesen

 
"Spring Breakers" (USA 2013) Wertung: 7/10

Schlagwörter wie „Skandal“ oder „Kult“ haben eine ganz besondere Anziehungskraft und ein Film, der mit diesen Labels geschmückt wird... Weiterlesen
"Jagten" (DK 2012) Wertung: 7/10

Kaum zu glauben, dass Dogma-Shooting-Star anno 1998 Thomas Vinterberg nach vierzehn Jahren das große Comeback gelingt. Sein Cannes-Gewinner... Weiterlesen
"Side Effects" (USA 2013) Wertung: 6/10

Es ist eher untypisch, dass ein Regisseur oder eine Regisseurin sich entschließt vorzeitig in „Rente“ zu gehen... Weiterlesen
 "I, Anna" (FR, DE, GB 2012) Wertung: 4/10

Bald ist ja wieder Muttertag und wie man auch zu diesem Anlass stehen mag, der ohnehin schon in seinem historischen Kontext kritisch beäugt werden sollte... Weiterlesen


Mittwoch, 2. Januar 2013

Top-10 des Jahres 2012


Rückblickend gefiel mir das Jahr recht gut. Es gab viele Star-Regisseure, die zu alter Stärke gelangten sowie auch vielversprechende, junge Filmemacher zu sehen. Leider hat es kein Film einer Regisseurin in meine Liste geschafft. Dafür entschuldige ich mich schon jetzt. [...]


THE INNKEEPERS


"Everything happens for a reason Claire. Nobody just ends up at the Yankee Pedlar."

„Sie wollen das gleiche wie sie, leben.“ Claire lauscht der Erklärung der etwas verschrobenen und angeblich hellsichtigen Schauspielerin, die sich für ein paar Nächte im heruntergekommenen The Yankee Pedlar Inn einquartiert hat. Das Hotel soll bald schließen wegen zu wenig Gästen und viel zu vielen grausamen Geschichten aus der Vergangenheit. [...]
Wertung: 8,5/10
Weiterlesen

LIFE OF PI


"All of life is an act of letting go but what hurts the most is not taking a moment to say goodbye."

Seit der äußerst gewaltsamen und erfolgreichen Einführung des digitalen, speziell, des 3D-Kinos, warten Publikum wie Feuilleton auf einen Film, der den ästhetischen Möglichkeiten einer dritten Dimension gerecht wird. [...]

Wertung: 8/10
Weiterlesen


THE MASTER


"What a horrible young man you are. This is acting like an animal. A dirty animal that eats its own feces when hungry."

Die Leinwand ist schwarz und in schmucklosen, weißen Lettern erscheint der Titel „The Master“ auf der Leinwand. Beinahe wähnt man sich in einem Woody-Allen-Film bei solch einem reduktionistischen Vorspann. Erinnern sie sich noch daran als die Filme von Paul Thomas Anderson wie große Spektakel anfingen? [...]
Wertung: 8/10
Weiterlesen

PITCH PERFECT


"You guys are gonna get pitch-slapped so hard, your man boobs are gonna concave."

Tanzen, Singen, Hüpfen und Springen haben in den letzten Jahren ein ungeahntes Revival erlebt. Nach den musikalisch kontroversen 90er Jahren mit ihrem Eurodance und choreografierten, ausschließlich heterosexuellen, Boyband-Tänzen war zurecht die Luft raus. Tanzen und Singen, das klang schon immer ziemlich uncool und Gefühle zeigen sowieso. Dann kamen die Post-Al-Bundy-Jahre, die 2000er, und mit ihr zahlreiche neue Musikfilme, angefangen mit Baz Luhrmanns „Moulin Rouge“, „High School Musical“ und „Mamma Mia“ und dazu Tanzfilme wie die „Step-Up“-Reihe bis hin zu gewagten 3D-Experimenten wie Wim Wenders „Pina“. [...]
Wertung: 5/10
Weiterlesen


SEVEN PSYCHOPATHS


"Auge um Auge und die ganze Welt wird blind sein."

Seit Martin McDonaghs Langfilmdebüt „Brügge sehen und sterben?“ herrscht eine schwere Uneinigkeit über die Einordnung seiner künstlerischen Person. Selbst die Marketing-Abteilungen wissen nicht so recht wie sie einen Donagh-Film an den Mann oder die Frau bringen sollen. Wer damals nach dem Trailer zu „Brügge sehen und sterben?“ eine tarantinoeske Gangsterkomödie erwartete, wurde im Kinosaal eines besseren belehrt. Der gefeierte irische Bühnenautor benutzte die postmodernen Kinobilder des Tarantino-Kults als bloße Verpackung einer tiefgehenden moralischen wie tragischen Dramatisierung bekannter Gangster-Streitigkeiten. [...]
Wertung: 7/10

RISE OF THE GUARDIANS


"Alle lieben den Schlitten."

„Papa, sind der Weihnachtsmann und der Osterhase eigentlich Freunde?“ Mit dieser Frage soll alles angefangen haben. William Joyce, der Autor der Kinderbuchreihe „Die Hüter des Lichts“ bekam diese Frage von seiner sechsjährigen Tochter gestellt. Vierzehn Jahre und zahlreiche Bücher später bringt Dreamworks nun den passenden Film ins Kino unter der Regie von Peter Ramsey, der hiermit sein Langfilmdebüt abliefert. [...]
Wertung: 5/10
Weiterlesen

Mittwoch, 7. November 2012

CLOUD ATLAS


Wenn man bedenkt, dass „Cloud Atlas“ die bisher teuerste, deutsche Co-Produktion aller Zeiten ist, so war ich verwundert darüber wie unbekannt der Film selbst in filmaffinen Kreisen ist. Irgendwie läuft da etwas mit dem Marketing falsch. Man sieht zwar hier und da ein Poster oder einen Trailer, aber sobald man nur „Cloud Atlas“ sagt, weiß kaum einer worum es geht. Dabei hat solch ein megalomanisches Projekt diese Aufmerksamkeit nicht nur nötig, sondern auch verdient, denn wenn Deutschland mal nach Hollywood schielt, dann kommt meistens nur Schrott wie die „Resident Evil“-Reihe heraus. Die schwer fassbaren Stoffe, die überlangen Drehbücher, die haushohen Ambitionen sucht man hier ja ziemlich vergeblich.

So überraschte es auch nicht, dass sich Tom Tykwer für so ein wünschenswertes Projekt empfahl. Nach Filmen wie „The International“, „Das Parfüm“ und „Heaven“ konnte Tykwer sein Schuhwerk bereits auf dem großspurigen Hollywood-Parkett einlaufen. Die Babelsberg-Connection brachte dann auch die Wachowski-Geschwister und Tykwer zusammen, so hatte sich ein ungewöhnliches Regie-Trio gefunden, deren einzige Gemeinsamkeit der Hang zu aufwendigen Money-Shots zu sein schien.

An epischer Breite scheint es der recht unbekannten Vorlage in erster Linie nicht zu mangeln. Die Geschichten erstrecken sich über fünfhundert Jahre und sind überschwemmt mit Figuren, Querverweisen und Dopplungen, denn wie die Tagline des Films bereits verrät: „Alles ist verbunden.“ Genug Stoff für einen dreistündigen Film. Fatal ist nur, dass man nach dem Film die Lust verspürt das Buch zu lesen, nicht weil das Kinoerlebnis so anregend war, sondern weil man sich fragt, ob das jetzt schon alles war.

Aus der bloßen Masse an Handlung macht der Film nämlich herzlich wenig. Außer einer eigenartig gestrigen, aber dafür maximal prominenten A-Besetzung, verführt recht wenig zum Kauf der Kinokarte. Die großen Stars von Tom Hanks bis Halle Berry tauchen in den vielen Geschichten immer wieder mal in kleineren und größeren Rollen auf, die sich alle durch aufwendige Masken und Kostümierungen unterscheiden. Den irritierenden Gipfel erreicht dieser Karneval beim Asianfacing Keith Davids und Jim Sturgess, wobei die Regie-Intentionen klar ersichtlich bleiben. Alles ist halt miteinander verbunden.

Die Geschichte beginnt im Jahre 1846, wo ein amerikanischer Anwalt (Jim Sturgess) aufgrund der Freundschaft zu einem entflohenen Sklaven (David Gyasi) anfängt an der Sklaverei zu zweifeln. 1936 liest ein junger Komponist (Ben Whishaw) die Aufzeichnungen des amerikanischen Anwalts und fühlt sich dazu inspiriert ein Stück zu schreiben, dass ihm aber sein Lehrmeister (Jim Broadbent) versucht zu stehlen. All das beschreibt der Komponist leidenschaftlich in den Briefen an seinen Liebhaber (James D'Arcy), der in den 70er Jahren, als alter Mann, von einem Auftragskiller (Hugo Weaving) erschossen wird, weil er versuchte die dunklen Machenschaften eines Energiekonzerns aufzudecken. Zum Glück nimmt sich eine furchtlose Reporterin (Halle Berry) der Geschichte an. Im Jahr 2012 landet ein überschuldeter Verleger (Jim Broadbent) durch die Fehde seines Bruders im Altersheim und plant mit ein paar „Miteinsassen“ seinen Ausbruch. Das Neo-Seoul der Zukunft scheint dagegen ein viel größeres Gefängnis zu sein. Dort wird eine Klonin (Doona Bae) zum Messias der rebellischen Untergrundbewegung und steigt sogar zur Prophetin empor, derer man sich noch in der weit entfernten Zukunft erinnert. In einer Zeit, wo die Menschen wieder in Stämmen leben und ein Schafshirte (Tom Hanks) eine Reisende (Halle Berry) zum Berg des Teufels geleitet.

Das ist wirklich nur die kurze Kurzzusammenfassung und zwischenzeitlich kommt man schon ins Grübeln, ob drei Stunden hierfür wirklich ausreichen. Dem Film gelingt es diese Frage halbwegs aus der Welt zu schaffen, denn vor Spannung wird sich das Publikum nicht in den Kinosessel krallen. Die drei Stunden, sie sind spürbar, trotz der Menge an Geschichten und es bleibt das Gefühl nicht genug erzählt zu haben. Da wiederum einen sich das Kino Tykwers und der Wachowskis nochmals, denn ihre Inszenierung bleibt gerne an der Oberfläche hängen. Größe entsteht allerdings nicht nur, wenn die Handlung groß ist oder die Figuren viele kluge Dinge im Off-Kommentar sagen. Die Wachowskis und Tykwer türmen lieber einen Haufen Silikon und Seide auf, gleiten mit der Kamera durch CGI-Welten und garnieren ihre Show mit einem Haufen an Glückskeksweisheiten.

„Cloud Atlas“ erinnert nicht von ungefähr an einen gescheiterten „Tree of Life“. Er strebt nach ähnlicher Größe, ergeht sich dabei aber lieber im Ausbuchstabieren als im filmischen Erzählen. Statt zu erleben, betrachtet man nur. Die Regie nötigt förmlich zum staunenden Begaffen der immensen production values, doch wirklich lebendig werden weder die kostümierten Figuren, noch die Kulissen. Noch nicht mal das übergroße Neo-Seoul regt die Kinnlade zum Fallen an, da die Wachowskis eher am Nachstellen von „Blade Runner“ interessiert sind. Nichts erinnert mehr an die entsättigten und unterkühlten Zukunftsvisionen früherer Filme der Regie-Geschwister. Tom Tykwers Formalismus war dagegen schon immer etwas zurückhaltender und sowieso europäischer. Selbst so eine große Produktion wie „The International“ hatte immer noch etwas sehr intimes und ärmliches an sich. Mit den großen Geschützen kann Tykwer anscheinend dafür nicht ganz so gut umgehen.

So heben sich der dystopische Größenwahn der Wachowskis und die versöhnliche Bilderbastelei Tykwers gegenseitig auf und kreieren letztendlich ein lauwarmes Möchtegernepos voller halber Sachen, kitschiger Dialoge und postmodernem Recycling. Es ist beiweitem nicht die filmgewordene Rebellion die inhaltlich laut anklingt. Das Streben nach Veränderung, das Ausbrechen aus konservativen Strukturen, das bleibt uns „Cloud Atlas“ weitesgehend schuldig. Einzig ein Moment im Film verzaubert. In einer Montage, wo alle Geschichten in schnellen Schnitten miteinander vermengt werden, zerstört der junge Komponist zusammen mit seiner großen Liebe Porzellan in Ultra-Zeitlupe. Die Schönheit der Zerstörung als Sinnbild von Aufbruch und Veränderung, doch „Cloud Atlas“ schafft es nicht dieses Bild zu erhalten. Vieles bleibt Tapete.


Erschienen bei CinemaForever
Wertung: 4/10

"Cloud Atlas"

DE, HK, SG, US 2012
Lana Wachowski, Tom Tykwer, Andy Wachowski
mit Tom Hanks, Halle Berry, Keith David

Montag, 22. Oktober 2012

THE GIRL


„You had a breathing, living woman, and you turned her into a statue.“

Das Verhältnis zwischen dem Regisseur und der Schauspielerin hat bis heute nichts von seiner musischen, aber auch gewalttätigen Kraft verloren. Die Filmgeschichte ist reich an Beziehungen zwischen Schauspielerinnen und ihren Regisseuren, glanzvolle Affären, behütete Ehen, aber auch bedrohliche Abhängigkeiten. Das Klischee des aufstrebenden Starlets, dass erst auf die Besetzungscouch muss um ganz nach oben zu kommen, war noch nie eine Geschichte bei der beide Parteien als Sieger hervor gingen. Das Kunstgewerbe, wie auch die Filmbranche werden bis heute von Männern dirigiert. Die Nötigung von Frauen für den Karrieresprung, solche perfiden Mittel denken sich nur die Herrschenden aus und sie haben auch die Macht an ihnen festzuhalten. Die Schauspielerin spielt das Spiel entweder mit oder nicht.

Julian Jarrold (u.a. „Geliebte Jane“) erzählt im Fernsehfilm „The Girl“ dieses bekannte Verhältnis, allerdings in einem völlig neuen Umfeld, der Biografie Alfred Hitchcocks. Der Filmemacher zählt bis heute zu den bekanntesten und einflussreichsten seiner Zunft. Kein Regisseur zuvor bemühte sich so sehr das Image des Autoren hinter der Kamera zu pflegen, den Namen des Filmemachers mit dem Werk untrennbar zu verschmelzen. Keine Werbung, kein Trailer und kein Film ohne den charakteristischen Auftritt des Briten. Das Publikum meinte Hitchcock zu kennen. Er gab ihnen ein Bild. Seine Verehrer sahen in ihm nur das Genie, doch wie seine Filme so enthielt auch Hitchcocks Leben äußerst dunkle Seiten, die der „Master of Suspense“ wohl nur ungern öffentlich gemacht hätte, wie zum Beispiel seine Beziehung zum Model Tippi Hedren, die als letzte große Hitchcock-Blondine in „Die Vögel“ und „Marnie“ zu Weltruhm kam.

Hitchcock war überzeugt von der noch unerfahrenen Hedren und gab ihr nach ein paar Screen-Tests sofort einen Siebenjahresvertrag. Die folgenden drei Jahre erlebte sie allerdings eine ganz andere Seite des beliebten Regisseurs. Er belästigte und verfolgte sie, rief ständig bei ihr an, quälte sie bei den Dreharbeiten und verlangte von ihr sexuelle Gefälligkeiten. Hedren gelang es mit Müh und Not „Marnie“ zu Ende zu drehen und verschwand dann für immer. Hitchcock sorgte für das Ende ihrer Karriere, genauso schnell wie er für ihren Aufstieg sorgte. Heute urteilt Hedren über den Filmemacher: „He was a powerful man.“ Sie fühlt sich als Siegerin, zurecht.

Jarrolds Film beleuchtet die Zeit vom Casting Hedrens bis zum Drehschluss von „Marnie“, zeigt dabei aber wenig Interesse an den eigentlichen Dreharbeiten der Filme. Anders als der nächstes Jahr startende „Hitchcock“ mit Anthony Hopkins steht nicht die Erschaffung eines Meisterwerks im Vordergrund, sondern einzig und allein Hedrens Erlebnisse und die Beziehung zu Hitchcock. „The Girl“ bleibt, wie der Titel vermuten lässt, hauptsächlich in ihrer Perspektive, wobei es dem Film nicht nur darum geht authentisch zu sein, sondern auch darum die ungelüfteten Geheimnisse in Hitchcocks Werk offenzulegen.

„Psycho“ war vielleicht der größte Erfolg des Filmemachers, aber filmhistorisch sind es gerade seine beiden darauffolgenden Filme „Die Vögel“ und „Marnie“, die bis heute begeistern, spalten und Fragen aufwerfen, eben auch weil keine der vorherigen Stars vergleichbar war mit Tippi Hedren, vom Meister persönlich erkoren, die absolute Hitchcock-Blondine also. Dass der Regisseur danach nie wieder an seine Erfolge anknüpfen konnte und eine Nachfolgerin für Hedren ebenso ausblieb, schürte den Mythos umso mehr.

„The Girl“ zeigt dennoch selten Interesse daran diesem Mythos zu huldigen. Er dekonstruiert offen das Genie Hitchcocks, zeigt ihn als psychotischen Sadisten, verklemmten Tyrannen und übersetzt dennoch äußerst schlüssig wie nur so ein Mensch solche Filme drehen konnte. Das fängt bei einer der größten Hitchcock-Fragen überhaupt an. Warum greifen die Vögel Bodega Bay an? Natürlich weil Melanie Daniels, gespielt von Hedren, in die Stadt kommt. Sie bringt die Vögel mit. Jarrolds Film stellt die Vögel des Films und die Bedrohung durch Hitchcock in eine analoge Beziehung. Melanie Daniels Märtyrium ist Tippi Hedrens Märtyrium während der Dreharbeiten. Kernszene dieses Vergleichs bildet die berüchtigte Dachbodenszene. Melanie geht im Film hoch zum Dachboden, laut Hitchcock in „The Girl“ um sich zu opfern, da ihr bewusst geworden ist, dass sie für die Vögel verantwortlich ist. Oben angekommen wird sie von den Vögeln attackiert bis sie bewusstlos wird. Hitchcock ließ Hedren diese Szene fünf Tage lang drehen. In unzähligen Takes wurde sie von echten Vögeln angegriffen bis sie einen Schwächeanfall erlitt. Doch während im Film Melanie den Angriff geradeso übersteht und die Vögel daraufhin aufhören anzugreifen, kehrte Hedren ans Set als Siegerin zurück. Sie wollte sich nicht vom großen Regisseur fertig machen lassen. Dafür hörte Hitchcock aber auch nicht auf sie anzugreifen.

Der Reiz solcher Bio-Pics liegt natürlich auch immer an ihrer Schlüsselloch-Perspektive. Es ist seine voyeuristische Natur, wie wir sie auch aus Hitchs Filmen kennen. Julian Jarrold lässt vielleicht kaum ein gutes Haar an der Person Hitchcocks, doch er nutzt die Techniken seines Kinos in „The Girl“ bis zur Mimikry. Typische Perspektiven und die subtile Inszenierung erinnern stark an die Filme des Briten. Umso interessanter wie Jarrold typische Topoi im Kontext seiner Geschichte umdeutet, z.B. fungiert Hedrens Dusche zu Hause als ein Ort der Reinheit und Erholung, nicht als Ort eines sexuell aufgeladenen Mordes. Das Motiv der Vögel durchzieht dagegen den ganzen Film als Symbol allgegenwärtiger Bedrohung.

An der Oberfläche bleibt Jarrolds Film fast steril. Die Ausstattung ist superb und hat die Qualtität ähnlicher period pieces wie die TV-Serie „Mad Men“, die sich wiederum vergleichbar mit „The Girl“ ebenso sexistischen Rollenvorstellungen und Machtstrukturen widmet. Ganz egal wie vernarrt und verliebt Hitchock in die Schauspielerin war, seine Machenschaften hatten nichts mit dem Charme eines Verehrers zu tun. Es war reine Unterdrückung. Jarrolds Film lässt allerdings eine interessante Lesart zu. Hitchcock, der, auch nach Francois Truffauts Urteil, sich selbst als ein Monster sah und seine Sehnsüchte wie Obsessionen lieber auf der Leinwand auslebte, hatte ein gestörtes Verhältnis zur Realität.

In einer Szene in „The Girl“ erzählt Hitchcock von einem Künstler, der eine Statue erschafft, die sich dann in einen lebendigen Menschen verwandelt. Eine Fantasie, die er Hedren gesteht. Die ideale Hitchcock-Blondine, die Traumfrau, die der Regisseur in unzähligen Filmen zuvor auf Zelluloid zum Leben erweckte, soll nun endlich Wirklichkeit werden. Für ihn spielt Hedrens eigentliche Persönlichkeit keine Rolle. Er ist von einem Bild besessen, ähnlich wie James Stewart in „Vertigo“. Er will die kühle Blonde nicht mehr länger nur vor der Kamera. Er will sie in seinem Bett. Das Kino soll endlich Realität werden, dabei urteilte der Regisseur einst selbst, dass Filme eher ein Stück Kuchen als ein Stück Leben seien. Die Übersetzung in die Wirklichkeit kann nicht funktionieren. Die Film-Blondine bleibt ein Gespinst, eine künstliche Figur wie die Statue. Hitchcocks Übergriffe verursachen eher das Gegenteil. Aus der der lebenslustigen, jungen Frau wird ein Schatten ihrer Selbst, ein Mischwesen aus Fiktion und Wirklichkeit. Hedren wird emotional immer unnahbarer, kühler. Sie baut sich ein Schutzschild um Hitchcocks Angriffe zu überstehen und wird dadurch erst zu dem, was wir auf der Leinwand sehen. Zuletzt wird sie zu Marnie, zur Statue, deren Bann erst mit dem Drehschluss gebrochen wird.

Es lohnt sich nach „The Girl“ nochmal die eigentlichen Filme „Die Vögel“ und besonders „Marnie“ zu sehen. So gewalttätig Hitchcock in Wirklichkeit war, umso sanfter erscheinen die Filme dazu. Marnie kann ohne weiteres als die komplexeste Figur in Hitchcocks Werk bezeichnet werden und während die früheren Film-Beziehungen zwischen Mann und Frau positiv konnotiert waren, ist Marnies Beziehung zu Sean Connerys Figur durch Abhängigkeiten, Nötigungen und Zwängen gekennzeichnet. Die Analogie ist in „The Girl“ offensichtlich, doch am Set war Hitchcock in der Rolle Connerys. Auf der Leinwand schenkte er dagegen seine ganze Aufmerksamkeit Marnie. Der Regisseur konnte erst einer Filmfigur gegenüber die Empathie empfinden, die er eigentlich auch Hedren, der echten Marnie, hätte schenken müssen. „The Girl“ entblättert damit nicht nur den Mythos Hitchcock, sondern zeigt auch die Triebfeder seiner Filme, den Ursprung ihrer Faszination, Tippi Hedren als Opfer Hitchcocks und Hitchcock als Opfer Caligaris.

Obwohl der Film, wie eingangs erwähnt, stets aus der Perspektive Hedrens erzählt, ist „The Girl“ mehr ein Film über den Täter als über das Opfer. Diese Schwäche muss sich Jarrolds Film eingestehen. Das Publikum ist eher an der Motivation des Monsters interessiert. Das hatte Hitchcock schon für seine höchstfiktiven Thriller genutzt. Ein Bio-Pic muss sich den gleichen Regeln ergeben, was sich vorallem daran zeigt, dass Hedrens Privatleben äußerst uninteressant bleibt. Dennoch nutzt „The Girl“ eine andere Eigenart des Publikums für sich, die Sehnsucht nach einem Happy-End, nach Balance. Ganz egal wie charismatisch der Bösewicht ist, gewinnen sollte er trotzdem nicht und Hitchcock hat letztendlich nicht gewonnen. Das stellt der Film deutlich klar. Hedren kämpft mit erhobenen Haupt bis zur letzten Klappe, reißt sich die Perücke vom Kopf und verlässt das Set ohne zurückzublicken. Hitchcock bleibt nur die Statue, 24 mal in der Sekunde.

Erschienen bei CinemaForever
Wertung: 7/10

"The Girl"

GB 2012

Julian Jarrold

mit Sienna Miller, Toby Jones, Penelope Wilton


Samstag, 13. Oktober 2012

PREMIUM RUSH


"Keine Bremsen. Kann nicht anhalten. Will es auch nicht."

Ein Tag in New York City: Wilee (Joseph-Gordon Levitt) ist der furchtloseste aller Fahrradkuriere. Sein Bike hat weder Bremsen noch Gänge. Es gibt nur eine Art vorwärts zu kommen und keine um sich aufhalten zu lassen. Heute erhält Wilee den Auftrag. Er soll einen Umschlag von A nach B transportieren, eigentlich ein Alltagsjob, doch auf einmal ist ihm ein rücksichtsloser Cop (Michael Shannon) auf den Felgen, der diesen ominösen Umschlag unbedingt haben will.

Noch bevor man überhaupt den Film gesehen hat, möchte man auf die Knie fallen und David Koepp dafür danken sich überhaupt an so eine Geschichte rangetraut zu haben. Klar, sie ist simpel, aber das ist es ja gerade. Mainstream-Action aus Hollywood begnügt sich schon seit Jahren nicht mehr mit einfachen Geschichten. Vorbei sind die Zeiten, wo es reichte eine Gruppe Menschen durch Terroristen in einem Hochhaus festzuhalten. Action erzählt sich heute nur noch über Mythenbildung („The Dark Knight Rises“, „Avengers“) oder verkompliziertes Storytelling („Inception“, „Source Code“). Da verwunderte es nicht, dass der beste Actionfilm der letzten Jahre „96 Hours“ aus Frankreich kam und auf eine straighte Handlung setzte.

Die Geschichte von „Premium Rush“ ist also ungewohnt altmodisch, fast naiv rein. Die Inszenierung und Montage sind dagegen ganz und gar nicht altbacken, sondern schier eindrucksvoll modern. Der überwiegend an Originalschauplätzen gedrehte Film bietet in seinen schon straffen 91 Minuten ein ungeahntes Tempo. Levitt und Co. fahren hier nicht Fahrrad im Studio vor Greenscreen, sondern auf echten New Yorker Straßen. Die entfesselte Kamera ist immer ganz dicht dabei. Keine Einstellung scheint unmöglich. Dennoch geht es nie darum die Bilder auszustellen. Alles steht im Dienste der stringenten Handlung, wobei es der Autor nicht lassen konnte die Erzählung gerade in der ersten Hälfte aus mehreren Perspektiven nacheinander zu erzählen, was wiederum die Figuren gut charakterisiert und ihre Hintergründe gleichwertig beleuchtet.

Das ist aber nicht alles. Non-Digital-Native Koepp holt noch andere neumodische Tools aus der Inszenierungskiste, z.B. Google Maps. Wenn sich Wilee eine Strecke überlegt, geht die Kamera ohne Schnitt in die isometrische Ansicht und zeigt die mögliche Route inklusive tickender Uhr, denn der Film läuft fast in Echtzeit. Mühelos wechselt „Premium Rush“ zwischen Überblick und Introspektive. Kommt Wilee eine schwierige Verkehrssituation in den Weg, spielen sich in seinem Kopf mögliche Was-Wäre-Wenn-Szenarien ab, wobei er sich für das Manöver entscheidet, dass weder ihn noch andere unter die Räder bringt.

In vielen Momenten erinnert „Premium Rush“ an den schon jetzt Kultfilm „Drive“, bloß auf Fahrrädern. Nur hat Koepp kein Interesse an Nihilismus und Gewalteskapaden. Der Film bleibt immer eine leichte Spielerei mit viel Sonnenlicht und wenig Schatten, Unterhaltung im Dienste der Unterhaltung eben. Ein ironiefreies Abenteuer inklusive Boy-Meets-Girl und moralischem Kompass. Denn irgendwann enthüllt Koepp seinen herrlich sinnentlerrten MacGuffin um Wilees Wandlung zum Helden einzuläuten. Die eröffnete Nebenhandlung im Land der Mitte raubt dem Film leider seine Reinheit und der Kitsch schleicht sich ein.

„Premium Rush“ erzeugt eine eigenartige Mischung aus gewohntem und ungewohntem. Der von Michael Shannon manisch gespielte Bad-Cop bedient seine Klischees um Spielsucht und Korruption schon so weit, dass es wieder originell wird. Abgesehen davon, dass Shannons Abonnement auf psychisch labile Rollen langsam nervt. Am meisten begeistert immer noch die dynamische Aufmachung, die ich Konservativ-Filmer Koepp nicht zugetraut hatte. Dennoch, hätte er die Handlung noch mehr entschlackt und sich ganz auf die Stärken des Kinos verlassen, dann wäre „Premium Rush“ ein echter Reißer geworden. So bleibt ein guter aber auch schwächelnder Film zurück, der sich keine außerordentlichen Ziele setzt und in keine neue Richtung weist, geschweige denn fährt.
Erschienen bei CinemaForever

Wertung: 6/10

"Premium Rush"
USA 2012
David Koepp
mit Joseph-Gordon Levitt, Dania Ramirez, Michael Shannon

Mittwoch, 3. Oktober 2012

TAKEN 2



"Hör mir bitte zu Kim! Deine Mutter und ich werden entführt."

Es kommt nicht oft vor, dass man einen Film sieht, der die eigenen Erwartungen mehr als übertrifft. „96 Hours“, oder schlicht „Taken“, war damals so ein Film. Wer hätte gedacht, dass der bisher einzig auf Charakterrollen adressierte Liam Neeson glaubhaft zum Sly Stallone der Gegenwart avanciert. Die klare Regie und ein Drehbuch ohne viel Firlefanz machten den astreinen, schlanken, aber äußerst kompromisslosen Vigilante-Thriller erst möglich. Der Erfolg war enorm, eine Fortsetzung wohl unausweichlich. Der Ironie des Schicksals ist es nun auch geschuldet, dass meine Erwartung dem zweiten Teil gegenüber weit untertroffen wurde. Nicht, dass ich etwas genauso gutes vermutet hätte, aber dass „96 Hours - Taken 2“ genauso unbeholfen ist wie sein Titel klingt, hat mich doch schwer verwundert, wobei die Gründe offensichtlich sind. Zwei entscheidende Dinge haben sich geändert.

Zwar haben Luc Besson und Robert Mark Kamen wieder das Drehbuch geschrieben, doch von der chemischen Reinheit des ersten Films sind sie dieses mal weit entfernt. Während „Taken“ noch gänzlich um Liam Neeson herum geschrieben war und die geradlinige Handlung zunehmend eskalierte, da sich Neesons Figur Mills vor den Augen des Publikums unaufhaltsam vom Verlierer zum brutalen Mörder wandelte, ist der zweite Teil gezwungen eine andere Richtung einzuschlagen, da die Zuschauer_innen mit Minute eins bereits wissen wozu dieser Mann fähig ist. Die nötigen Geheimnisse, die Teil eins so unvorhersehbar machten und Besson/Kamen auf eine simple Story zurückgreifen ließen, fehlen nun völlig und so musste das Drehbuch zwangsläufig komplexer werden, mehr Figuren und mehr Wendungen mussten her. Aus der Vater-rettet-Tochter-aus-den-Händen-fieser-Menschenhändler-in-Paris-Geschichte wurde nun ein symmetrischer Selbstjustiz-Film. Einer der Väter der von Mills im ersten Film ermordeten albanischen Menschenhändler sinnt nun auf Rache und macht sich mit einem Killertrupp auf den Weg nach Istanbul, wo Mills gerade einen Bodyguardjob hat. Unerwartet bekommt er dort Besuch von seiner Tochter und seiner Exfrau. Es kommt wie es kommen musste. Mills und seine Ex werden entführt und nun muss die Tochter zur Tat schreiten um ihre Eltern zu retten. Dazu gesellen sich noch andere wirre Handlungselemente, wie das ausgestellt kluge Spiegeln der beiden Selbstjustiz-Seiten und eine unnötig lange Exposition, die nur erzählt, dass Töchterchen jetzt einen Freund hat und Papa lernen muss loszulassen, was aber nicht so schlimm ist, da seine Exfrau wieder eindeutige Avancen macht. Das nächste weibliche Wesen zum beschützen steht also bereits in den Startlöchern. Ärgerlich wie die Autoren mit diesen konservativen Heile-Welt-Abziehbildern bereits zu Beginn die ganze Klasse des ersten Teils in die Tonne kloppen.

Dennoch darf man dem Drehbuch nicht vorwerfen es würde nicht genügend Möglichkeiten für Actionsequenzen bieten. Die gibt es zuhauf, doch leider greift da der zweite folgenschwere Faux-Pas des Films, das Engagement Olivier Megatons als Regisseur. Der Kopf hinter u.a. „Transporter 3“ ist nicht im geringsten ein so guter Actionregisseur wie sein Kollege Pierre Morel. Kameramann Romain Lacourbas, den Megaton gleich mitgebracht hat, filmt fast alles mit dem übersichtsarmen Teleobjektiv und der Schnitt ist mehr damit beschäftigt dem Tempo des UpBeat-Soundtracks zu folgen als wirklich Bilder in Bezug zueinander zu stellen. Teilweise fängt man wirklich an die berüchtigte Zeitlupe zu vermissen, um überhaupt einmal hinterher zukommen. Man will doch eigentlich nur verstehen, wie der Mann da gerade gestorben ist, woher die Schüsse kamen oder wo überhaupt wer im Raum steht. Megaton findet das nicht wichtig. Hauptsache es knallt.

Das gelingt dem Film an einer Stelle sogar auf komische Art, wo das alberne Drehbuch und die planlose Regie Hand in Hand arbeiten. In einer Szene rennt die Tochter über die Dächer Istanbuls und versucht ihren Vater mithilfe von Granaten zu finden. Sie wirft eine nach der anderen irgendwohin und aufgrund des Explosionsschalls, sagt ihr Vater am Telefon wie weit sie noch entfernt ist, quasi GPS auf islamistisch oder so, was ganz gut ins islamfeindliche Weltbild von Besson und Co passt. Während der erste Film nur mit Mühe rassistisch gedeutet werden konnte, legt der zweite eine Schippe drauf. Der Ausflug nach Istanbul nimmt hier schon fast Slowakei-Ausmaße wie in Eli Roths „Hostel“ an, nur ohne dessen ironische Brechungen. Bei Besson trägt wirklich jede Frau in Istanbul ein Kopftuch, niemand ist hilfsbereit oder kommunikativ und wenn, wie in der Szene davor Granaten explodieren, dann interessiert sich dafür auch niemand, ist man ja gewohnt im Orient, oder was? Auch die folkloristische Musik, die laut über jede Stadt-Totale gelegt wird und einem Klagelied ähnelt, verdichtet nur das Bild eines Istanbuls als fremde Hölle aus dem es für die amerikanische Mittelstandsfamilie kein Entkommen gibt. Im ersten Film war noch das Geld an allem Schuld. Da waren die albanischen Menschenhändler nur am Ende der Kette aus bösartigen Menschen, die sich durch alle gesellschaftlichen Schichten zog. „96 Hours – Taken 2“ macht es sich da ein wenig einfacher. Da ist einfach jeder böse, der „Salam Aleikum“ sagt, ekelhaft.

Erschienen bei CinemaForever
Wertung: 2/10

"96 Hours - Taken 2"
FR 2012
Olivier Megaton
mit Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Jannssen

Donnerstag, 20. September 2012

RESIDENT EVIL: RETRIBUTION


"Mein Name ist Alice."

Beim Überfall der Umbrella-Corporation auf Arcadia wird Alice ins Meer geschleudert und wacht in einem riesigen unterirdischen Komplex wieder auf. Sie ist eine Gefangene, doch ein Rettungstrupp ist schon auf dem Weg, um sie dort raus zu holen. Komme, was wolle.

Milla Jovovich: Gesicht von Filmen, Kosmetik, Mode und schöner Musik, keine andere Schauspielerin verbindet besser zarte Unschuld mit brachialer Action, martialische Stärke mit sanfter Anmut. So etwas konnte nur einer Frau gelingen, die mit einem Bein im Genrekino und mit dem anderen auf den Billboards dieser Welt steht. Der Star-Fotograf Peter Lindbergh ließ sie in einer Bilderserie in Science-Fiction-Manier dem Unbekannten begegnen, apokalyptische Bilder, Nebel, Laternenlicht und verbeulte Autos. Diese Reihe entstand kurz vor „Resident Evil“ und zeigte bereits wie hervorragend sich Jovovichs Gesicht als Spiegel der Bedrohung eignet.

Ihre Alice bleibt symptomatisch für den Wandel des Actionkinos, das sich immer mehr von der harten Körperlichkeit verabschiedet und den organischen Fluss choreografierter Zeitlupentänze sucht. Es verwundert auch nicht, dass in vielen Hollywoodproduktionen diese Sparte Frauen die tragenden Rollen spielen. Das Körpergefühl ist anders, eng anliegende Kostüme und nie versiegende Schönheit, ganz egal wie verletzt sie sind. Dass solche Filme meistens von Männern gedreht werden, sollte nicht unerwähnt bleiben, doch abseits geschlechtlicher Klischees kreieren diese Filme dennoch ein Frauenbild, dass inspiriert und begeistert. Keine Frau in „Resident Evil“ fühlt sich genötigt zu den „Waffen einer Frau“ zu greifen und keiner ihrer männlichen Begleiter hat auch nur halb soviel Substanz, geschweige denn Stärke. Sie wirken eher wie Statisten, die den Zombies als Futter dienen. Obwohl sich heutige Heldinnen weit von Vorbildern wie Sigourney Weavers Ripley entfernt haben, verkörpern sie ein Bild, das ihnen kein Action-Held mehr nehmen kann, eben diese interessante Schnittmenge aus Glanz und Brutalität.

Das muss man den „Resident Evil“-Filmen zugute halten, ebenso ihrem „Mastermind“ Paul W.S. Anderson, der sich nun endgültig in der Vertrashung des Genres gemütlich gemacht hat und das mit dem bereits fünften Teil des Franchises eindrucksarm beweist. Es erstaunt schon, wie es einem Regisseur gelingt, auch das größte Feuerwerk am Zuschauer gänzlich vorbei zu inszenieren. Meistens reagiert man auf das Geschehen ohnehin nur mit Gelächter. Genügend Gelegenheiten gibt es ja. Abgesehen von ein oder zwei fetzigen Sprüchen, die Alice über die Lippen gehen, versinken doch die restlichen Gags im Reich der unfreiwilligen Komik. Irgendwann kommt es bei jeder Actionsequenz zu dem Punkt, an dem es zu absurd wird, um darüber nicht zu lachen, wobei ich Anderson nicht unterstellen will, das sei unbeabsichtigt. Alles ist möglich. Unverzeihlich finde ich dagegen den offenkundigen Verzicht auf eine Handlung und damit meine ich eine Erzählung, die der Reihe auf die Sprünge hilft. Andersons Drehbuch fungiert leider nur als großes retardierendes Moment, als Luftblase, die auf das Finale vertröstet, welches hoffentlich mit dem sechsten und letzten Teil eintritt, ganz egal wie erfolgreich diese Filme auch sind. Bei kommenden Videoabenden jedenfalls kann man sich den fünften Film getrost sparen und nach dem vierten gleich den sechsten in den Player schieben.

Vielleicht sollte das Publikum auch den Titel des Films ernst nehmen und sich von Paul W.S. Anderson mit diesem Machwerk bestraft fühlen, moralisch gerechtfertigt durch den Kauf der Kinokarte. Wer dennoch auf Nicht-Geschichten im Billig-CGI-Gewand und absurder Action inklusive fescher 3D-Effekte steht, sollte sich von meinem Urteil nicht abhalten lassen. Die „Resident Evil“-Reihe bleibt sympathischer Bodensatz und hochbudgetierter Dilettantismus mit der besten Heldin aller Heldinnen. Vielleicht liegt es auch einfach an Milla Jovovichs Augen, die Alice erst zu dem machen, was sie ist. Ihr Blick verweist auf die Oberfläche und gleichzeitig alles darunter, also perfekt für's Kino und zu gut für einen Film wie diesen.

Erschienen bei CinemaForever
Wertung: 3/10


"Resident Evil 5: Retribution"
DE, CA 2012
Paul W.S. Anderson
mit Milla Jovovich, Michelle Rodriguez, Kevin Durand

Donnerstag, 23. August 2012

THE CABIN IN THE WOODS


Du denkst, du kennst die Geschichte.

Angst kommt immer unvorbereitet, immer genau dann, wenn man es nicht will. So scheinen Horrorfilme erstmal wenig Sinn zu machen. Man löst ein Kinoticket um sich zu fürchten. Man weiß, was einen erwartet und benimmt sich wie ein Klugscheißer. Da man nicht zulassen will, dass der Film einem Angst macht, lacht man über ihn, hält das Verhalten der Protagonisten für unglaubwürdig und alles für vorhersehbar. Natürlich ist das nur die eine Seite der Medaille. Viele Horrorfilme sind leider auch schlecht und bedienen mehr die Abwehrtechniken des Verstandes als den Affekt der Angst. So entstand eben das Bild, dass Horrorfilme mehr Komödien, mehr Trash als Film und Müll statt Kunst seien. Kein anderes Genre wird so gerne zerpflückt, wirkt so banal, hat so viele Gesichter und macht sich so leicht angreifbar.

In den letzten Jahren hat sich der Horrorfilm mit seinen Remakes und Sequels weit ins Abseits katapultiert. Behaupten wir mal das Genre sei tot, dann ist Drew Goddards „The Cabin in the Woods“ der Film über den Tod des Horrorfilms, wenn er nicht gerade selbst damit beschäftigt ist die Klinge tiefer zu bohren und genüsslich umzudrehen.

Fünf Studenten, die blonde Nymphe, die Sportskanone, der Streber, der Kiffer und die scheue Jungfrau, fahren in die Wälder um dort ein Wochenende in einer Hütte zu verbringen und Spaß zu haben. So viel sei verraten. Das Wochenende wird nicht so rosig. Menschen werden sterben. Das wussten sie schon? Ich auch, darum geht es. Kurz davor gibt es eine verwirrende Einführung. Zwei Schlipsträger laufen durch die Flure einer Hightech-Basis und unterhalten sich über ihr Privatleben und die Wichtigkeit ihrer Arbeit. An einer unbedeutenden Stelle gefriert das Bild und der Titel erscheint in großen roten Lettern wie ein Schock. Dann beginnt die eingangs beschriebene Backwood-Story.

Alles was in der Inhaltsangabe steht, klärt sich bereits in den ersten zehn Minuten auf. Wie hängen diese zwei Welten, das Bekannte und das Unbekannte, zusammen? Der Film zieht nicht nur seinen Schrecken, sondern auch seinen Humor aus dieser Gegenüberstellung. Es ist ein Spiel der Erwartungen, das die beiden Autoren Whedon und Goddard hier spielen und sie benehmen sich wie die verhassten Klugscheißer. Sie meinen das Genre, seine Stärken und Schwächen zu kennen und pressen alles durch den Fleischwolf. Das Marketing verspricht sich dadurch „Unvorhersehbarkeit“. Ist das denn überhaupt wichtig? Es wäre eine Lüge zu behaupten, dass dies nicht der Reiz von „The Cabin in the Woods“ ist und ein striktes Spoilerverbot gilt hier ganz besonders, aber man sollte Goddards Film nicht nur als Versuch anerkennen einen witzigen und unvorhersehbaren Meta-Horrorstreifen zu machen. Hier geht es um viel mehr.

Unsere Hassliebe zum Genre ist ein Thema. Wir hassen es, wenn wir den zwanzigsten Aufguss der gleichen Geschichte sehen, aber wir lieben auch das Vertraute. Wir meinen die Geschichte zu kennen und warten nur darauf, dass man uns ein Messer in den Rücken sticht. „The Cabin in the Woods“ lotet all diese Irrsinnigkeiten aus, führt sie vor, reflektiert und ordnet sie neu. Figuren, die unglaubwürdig handeln, haben nun einen guten Grund dazu. Der Wunsch des Zuschauers, dass die Charaktere sterben, findet ebenso seinen Platz. Das Publikum selbst ist im Film dabei, ähnlich wie in Quentin Dupieuxs „Rubber“, und Whedon/Goddard nutzen es zur maliziösen Manipulation. Da niemand gesagt bekommen möchte, was er zu fühlen hat, reagiert der echte Zuschauer gerne anders als das Publikum im Film. Wenn es über seine „Versuchskaninchen“ lacht, erzeugt das Mitleid und umgekehrt. Die Zuschauer im Film sind Arschlöcher. Sie sind die wahren Antagonisten. Das Spiel mit dem Publikum ist nur eine der brillanten Wege des Films den Tretminen des Genres auszuweichen.

Ganz egal wie genial solche Metaspielereien auch sind oder wie man es geschafft hat das Klischee des Klischees vom Klischee zu überlisten. Am Ende stellt sich die Frage, ob „The Cabin in the Woods“ nicht eher ein Film ist, der Grenzen festlegt als sie zu durchbrechen, der hämisch lacht, wenn er sieht, dass es nicht mehr weitergehen kann. Das ist die Gefahr, postmodernes Fieber. Niemand würde verleugnen, dass Whedon und Goddard ihre Vorlagen nicht mögen. Sie suhlen sich ja nur so in Zitaten, in einer blood orgy of references, doch ihr Film ist auch eine deutliche Dekonstruktion. Sie schaden ihren Vorbildern, allerdings auch nicht mehr als es nicht schon die zig Remakes und Sequels getan haben.

Kein anderer Horrorfilm der letzten Zeit hat seiner Vergangenheit so sehr gehuldigt, wie er sie gleichzeitig verachtet hat. Der Schlussstrich ist deutlich. Nach diesem Film kann man nicht mehr einfach zurückkehren zu Jason und Co. Beinahe ärgerlich, wenn es Whedon und Goddard nicht ohnehin um die Zerstörung alter Werte gehen würde. Nun gut, die beiden Klugscheißer machen es sich zwar ein wenig leicht, wenn sie die Verantwortung in andere Hände geben und fröhlich die Einrichtung im Horrorfilm-Kabinett zerschmettern, aber jeder zerstörerische Akt ist ebenso kreativ. Die alte Welt geht unter und eine neue entsteht. Der politische Subtext ist ganz klar zu lesen. Die Anarchie des Horrorfilms ist da.

Erschienen bei CinemaForever
Wertung: 8,5/10


"The Cabin in the Woods"
USA 2012
Drew Goddard
mit Chris Hemsworth, Kirsten Connolly, Richard Jenkins

Dienstag, 14. August 2012

WHAT TO EXPECT WHEN YOU'RE EXPECTING


Von Lügen und dicken Bäuchen...

Das Wunder der Geburt ist eine ziemlich gewöhnliche Sache hinter der sich Erwartungen, Klischees, ein ganzer Industriezweig und eine Millionen Jahrelange Tradition verbergen. Also so ganz wunderlich ist das nun wirklich nicht. Der britische Komödienspezialist Kirk Jones („Lang Lebe Ned Devine!“) hat nun einen Episodenfilm über dieses „Wunder“ gedreht, eine große romantische Komödie mit Starbesetzung.

„Was passiert, wenn's passiert ist“, das ist die Verfilmung eines erfolgreichen, gleichnamigen Sachbuchs, das praktisch als die Bibel der Schwangerschaft gilt. Die Autorin des Bestsellers, Heidi Murkoff, hat auch am Drehbuch gearbeitet und die Vielfalt der Fortpflanzung in verschiedene Geschichten gegossen, die vom verhängnisvollen One-Night-Stand und der späten Schwangerschaft bis zur Adoption reichen. Alles was man am Rande, aber selten explizit, in den vielen anderen Filmen in den Paare Kinder kriegen schon gesehen hat, kommt hier nun zusammen, die typischen Vaterängste, die Überforderung, die Last der Verantwortung und Existenzprobleme. Das klingt jetzt ziemlich dramatisch, ist es aber nicht. Der Film ist eine Komödie.

Kirk Jones passt sich wie ein Chamäleon dem despektierlichen Genre des „Frauenfilms“ an. Ich mag dieses Wort auch nicht, aber irgendwie passt es zu „Was passiert, wenn's passiert ist“. Die Zielgruppe wird hier deutlich markiert und Jones schafft es trotzdem daraus einen Film zu machen, der auf vielen Ebenen für Lacher sorgt und auch die männliche Seite nicht außen vor lässt. Vorallem merkt man das an der Daddy-Gang, die aus verschiedenen Vätern besteht, die zusammen abhängen und sich um ihre Babies kümmern. Sie reden über ihre Beziehungen und die Vorfälle, wenn das Kind mal vom Wickeltisch gefallen ist oder eine Zigarette gegessen hat. Das Heiligtum Kind, das höchste Gut, das man stets beschützen sollte, erfährt hier eine realistische Relativierung. Es ist schwer ein guter Vater zu sein. Fehler passieren.

Bei den Frauen spielen sich dennoch die größten Dramen ab. Die interessanteste Geschichte ist die mit Elizabeth Banks, einer Art Alter Ego der Buchautorin. Sie gilt als Schwangerschaftsguru, besitzt einen Laden für Baby-Artikel und hat es nun endlich geschafft, nach zwei Jahren, mit ihrem Mann selbst ein Kind zu zeugen. Sie erlebt aber alles andere als eine Bilderbuch-Schwangerschaft und quält sich mit Hormonschwankungen, Schmerzen und Körperausscheidungen. Ihre eigenen Erlebnisse wirken wie das dunkle Spiegelbild all der sterilen Schwangerschaftsfantasien, wie man sie aus Filmen und Werbespots kennt.

Das beste an Kirk Jones Film ist wirklich, dass er mit vielen Klischees aufräumt, dass er versucht dem ganzen Drama, dass zum einen etwas besonderes, aber auch etwas sehr gewöhnliches ist, einen Reality-Check zu verpassen. Er versucht ehrlich zu sein. Umso schwieriger tut sich der Film mit der Jennifer-Lopez-Episode. Sie ist die einzige, die nicht das Gesicht verliert. Weil sie keine Kinder bekommen kann, will sie ein Kind adoptieren und zwar aus Äthopien. Sofort muss man an die berühmten Adoptionsfälle Madonnas oder Jolies denken. Der Film nutzt diese Geschichte aber nicht um auf diese Diskussion zu verweisen, sondern nur um dem Kitsch und dem Exotismus zu frönen. Äthopien ist hier ein wundervolles Land in dem die ewig lächelnde Bevölkerung nur darauf wartet ihre Kinder an weiße Menschen aus dem Westen abzugeben. Plötzlich kommt wieder ganz deutlich die Zielgruppe in den Sinn, die Industrie und das Hollywood-Ethos.

„Was passiert, wenn's passiert ist“ ist eben doch nur eine typische Hollywood-Megaseller-Komödie, wo alles bereits in trockenen Tüchern ist. Es gibt sie zwar, die Überraschungen, die guten Gags und Lacher, aber das wurde auch alles mit einer reaktionären Soße mariniert. Es wäre doch zum Beispiel interessant gewesen ein gleichgeschlechtliches dabei zu sehen, wie es ein Kind adoptiert, aber das bleibt wohl Wunschdenken. Was wäre wohl passiert, wenn das passiert wäre? Kann dazu mal jemand ein Buch schreiben?

Erschienen auf CinemaForever

Wertung: 5/10

"Was passiert, wenn's passiert ist"
USA 2012
Kirk Jones
mit Jennifer Lopez, Elzabeth Banks, Cameron Diaz